Visionen
OPERA PRIMA
"Opera Prima" - das Erstlingswerk - ist ein Konzept,
das den Enthusiasmus, die Energie und die Ambitionen junger Theater-professionistInnen
mit den Kenntnissen und der Erfahrung geübter TheatermacherInnen
verbindet.
Programmatisch umfasst das Repertoire "Meilen-Werke"
der Literatur und Dramaturgie, mit der Absicht, das Können
der jungen SchauspielerInnen und ihre moderne persönliche
Weltanschauung mit den ewigen menschlichen Problemen in Dialog
zu bringen. Als Resultat soll eine neue Landkarte der Gefühle,
Ideen und Einstellungen für die Zukunft entstehen. Sozial
gesehen ermöglicht "Pygmalion" diesen jungen KünstlerInnen
ihr erstes bedeutendes Werk vor die Theateröffentlichkeit
zu bringen.
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1995

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Zitate:
Es ist allerwege wichtig, das Theater aufmerksam zu verfolgen,
denn es ist, stellvertretend für alle Künste, der Ort
der menschlichen Selbstbefragung und der vielleicht möglichen
menschlichen Selbstbefreiung, ein permanentes Experiment, dem nur
die Grenzen gesetzt sind, die in den theatralischen Ausdrucksformen
liegen. Der Satz, zu dem ich mich wie zu einem Leitmotiv bekenne,
steht in der Rede "Dramatiker heute": Kunst ist zu allem
frei, was sie gestalten kann. Am Theater und an den Veränderungen,
die es widerspiegelt, am Bleibenden und am Variablen kann abgelesen
werden, wie wir (als Existenzen mit Vergangenheit und Zukunft) mit
uns selber, mit unserer Geschichte, mit unserer Welt verfahren.
Die kritischen Einwände, von denen es in dieser Sammlung mehr
als eine Handvoll gibt, gelten Manipulationen, die keineswegs allein
das Theater, die das gesamte humane Ambiente beeinflussen. Theater
soll der lebendigen, der ständig erweiterbaren Erfahrung dienen,
deshalb ist sein eigentlicher Schutzgeist die Phantasie. Es ist
nicht seine Aufgabe, wie manche Realisten glaubten und weiterhin
glauben, das Publikum stundenlang in dieselbe Wirklichkeit starren
zu lassen, in die es ohnehin vom Morgen an bis zum Abend hineinzustarren
genötigt ist, die es noch in den Träumen verfolgt. Theater
sollte das Überraschende, das Unglaubliche wagen. Das wäre
sein eigentlicher pädagogischer Sinn in der Gesellschaft, die
sich insgesamt aufgefordert fühlen sollte, versteinerten Erfahrungen,
die sich in tabuistischen Verhaltensmustern und verhärteten
Vorstellungen vom Kollektiv fossilienhaft aufbewahrt haben, den
Abschied zu geben.
Wien, 8. April 1984
Kurt Klinger, Nachwort zu seinem Buch "Theater und
Tabus. Essays, Berichte, Reden. Edition Roetzer, Eisenstadt 1984
(Kurt Klinger, 1928-2003, war Lyriker, Schriftsteller, Dramatiker
und Dramaturg.)
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Stimmen:
Das Boulevrdtheater will um jeden Preis gefallen. Wir hingegen
haben keine Angst, zu mißfallen, oft gegen das Publikum
zu sein. Jedes Werk ist aggressiv, wenn nicht, ist es geschäftstüchtige
Volksverführung, dann ist es ein Boulevardstück. Manchmal
können wir dem Publikum spontan gefallen, statt es zu erobern.
Bewußt tun wir es nicht. Wir lieben die "Konzession"
nicht. Das Neue, das ist die Aufsässigkeit. In einer Kunst
ohne Angriff, ohne Neues gibt es kein Leben, keine Bewegung. Ja,
der Angriff, das ist das neue. Die theaterleute hätten den
Bürger gern auf leichte Weise unterhalten oder belehrt. heute
noch erleben wir dieses Problem, aber dieser Belehrungswille ist
im Schwinden begriffen.
Eugène Ionesco: Bekenntnisse
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Wenn also der Wert des Theaters in der Vergrößrung
der Effekte lag, mußte man sie noch mehr vergrößern,
sie unterstreichen und aufs äußerste betonen.
Man mußte gründlich über die blasse Ironie der
geistreichen Salonkomödie hinaus dem Grotesken, der Karikatur
nachgehen. Keine Salonkomödie, sondern die Farce, die aufs
äußerste übertriebene Parodie. Humor, ja, aber
mit den Mitteln der Burleske.
Alles auf die Spitze treiben, an die Quellen des Tragischen führen.
Gewaltiges Theater machen, gewaltig komisches und gewaltig dramatisches
Theater.
Um sich vom Alltäglichen, von der Gewohnheit und geistigen
Trägheit loszureißen, die uns die Fremdartigkeit der
Welt verbergern, hat man wirkliche Keulenschläge nötig.
Ohne eine neue Jungfräulichkeit des Geistes, ohne ein neues
gereinigtes Wissen um die Wirklichkeit des Daseins gibt es kein
Theater, gibt es keine Kunst mehr.
Wenn man das Theater lediglich für ein Theater des wortes
hält, wird man ihm schwerlich eine eigene Sprache zugestehen
können. Es kann nur anderen Denkformen verpflichtet sein,
die sich des Worts bedienen, wie der Philosophie oder der Moral.
Das verhält sich anders, wenn man das Wort lediglich als
ein Element theatralischer Erschütterung unter vielen begreift.
Es gibt andere Mittel, das Wort theatralisch zu machen. Man treibe
es auf die Spitze, um ihm die Maße des Theaters zu geben,
die im Übermaß liegen. Man spanne das Wort in seine
äußersten Möglichkeiten ein. Die Sprche, die hier
ihren Sinn verliert, muß fast zerspringen und sich zerstören.
Im Theater ist alles erlaubt.
Die Kunst ist das Reich der Leidenschaft, nicht der Schulmeisterei.
Eugène Ionesco: "Meine Erfahrungen mit dem
Theater"; in: Argumente und Argumente.
Es müßte verschiedene klar untereinander getrennte
Kategorien von Theater geben, die das Ministerium der Schönen
Künste oder das Polizeipräsidium für die verschiedenen
Arten des Publikums eingeteilt hat. An den Theatereingängen
hingen Anschläge: Kategorie A, B, C, D usw.
Es
könnte und müßte Theater mit zweitausend oder
sogar mit vierzigausend Plätzen geben. Für die, die
nichts davon verstehen. Es würde ein Theater unter einem
Patronat sein und von Brecht bis zu den Pfadfindern reichen. Oder
anders: Arenen mit Pferde- und Hunderennen, mit Stier- und Gladiatorenkämpfen,
die gleichzeitig das Staatsoberhaupt, den Kenner und den Nichtkenner
zufriedenstellen.
Es
müßte auch Theater mit fünfhundert bis tausend
Plätzen geben. Für das Publikum, das vom Theater etwas
versteht, d. h. einigermaßen etwas davon versteht. Das Shakespeare,
Molière und Ibsen zu schätzen weiß, sich aber
nicht für "Experimente" interessiert.
Schließlich
müßte es Theater mit fünfzig bis hundert Plätzen
geben, die den Spezialisten oder Halbspezialisten für künstlerische
Experimente bestimmt sind.
Eugène Ionesco: "Wer seiner Zeit angehören
will, ist bereits überholt. Bemerkungen zum Theater";
in: Argumente und Argumente.
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Manchmal ist die Technik nützlich, vielleicht sogar unumgänglich,
manchmal nicht. Mit den technischen Mitteln erzeugt man nicht
den Traum, sondern Phantastik oder Humor. ... Um den Traum zu
erzeugen, bedarf es viel einfacherer Mittel...
Eugène Ionesco: Bekenntnisse
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